ars phantastica - ars symbolica

 Eine Antwort auf die Frage von Rektor Fink:

 oooooooooooooooooooooo"Aus welchem Beweggrund heraus Künstler leben und malen."

 Der Maler ist unterwegs zum letzten Bild. - Aber das Ziel weicht unentwegt zurück und wir laufen ihm ununterbrochen nach. - Die Wirklichkeit  droht sich aufzulösen und entschwindet in das nicht mehr greifbare und das mit bloßem Auge nicht mehr wahrnehmbare. - Was wir vor uns haben sind Schwingungen, Kraftfelder, Bewegungen und Vibrationen.- Für das sichtbar machen  dieser Bereiche gibt es Meßgeräte, die Schwingungen aufzeichnen und festhalten, Elektronenmikroskope, die tief in die Materie eindringen und die Gestaltungsprinzipien sichtbar machen, es gibt Radioteleskope, die vieles aus den Tiefen des Kosmos näherbringen und es gibt die Photographie die dokumentiert. In diesen Bereichen bedarf es des Künstlers nicht mehr. Wo er unbestritten und konkurrenzlos geblieben ist, ist das Herausstellen seiner Gedanken und Phantasien, seiner Tag - und Nachtträume, Sehnsüchte und Ängste, Freuden und Leiden,Visionen und Abgründe. Auch ist der Künstler Pontifex; er verbindet das Diesseitige mit dem Jenseitigen und hält den Strom hin - und herüber aufrecht. - Wenn dieser Strom abbricht, werden die Menschen krank. Im Wort Kultur ist das Wort Kult enthalten. Kultur und Kult sind Zwillinge. Wenn sich die Kunst vom Kult abkoppelt, verselbständigt sie sich und wuchert wie ein Krebsgeschwür. - Kunst, die nicht transzendiert verfehlt den eigentlichen Auftrag. Der Maler ist Geburtshelfer für das, was zur Welt kommen will und sich offenbaren möchte. Das Ende der Schöpfung ist nicht Geistigkeit sondern Leiblichkeit. Etwas zu stiften das bleibt, dafür lohnt es sich zu malen. - Damit kann man leben aber nicht sterben. Der Tod ist ein Kunstgriff der Natur, die ungeheure Vielfalt an Lebensformen zu ermöglichen. - Für das Individuum aber, ist der Tod etwas Unzumutbares und Schreckliches.

OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOODas lebendige Kreuz.

Das Kreuz ist das älteste Heilszeichen der Menschheit. Es findet sich bereits auf den frühesten Denkmälern menschlicher Kunst und Religion. Im Laufe von Jahrzehntausenden galt es gleichzeitig oder wechselweise als Zeichen für die Gottheit und den Kosmos, für Sonne, Licht und Leben, für Fülle, Ganzheit und Einheit. Es war und ist noch immer das Zeichen sinnvoller, lebendiger Ordnung. Jedoch nicht nur die Welt, sondern auch der Mensch ist durch das Kreuz signiert. In seiner Gestalt bildet sich das Gotteskreuz, das Weltenkreuz, das Erdenkreuz  ab. Dies gilt aber nicht nur für seinen Leib, sondern auch für seinen Seelenbereich. Nach der Lehre des Psychologen C.G. Jung sind die seelischen Grundfunktionen des Menschen kreuzförmig geordnet. Darum läßt sich zusammenfassend sagen, daß sowohl der göttliche wie der irdische, der geistige wie der sinnliche Bereich gleichermaßen durch das Kreuz sinn- und gestalthaft geordnet wird. Im Kreuz ist deshalb Heil, das heißt Fülle, Schönheit, Sinnhaftigkeit.- Unordnung, außen oder innen, läßt darum stets auf Verletzung der Kreuz-Grundstruktur des Lebens schließen. Solche Zerstörung der Harmonie von Gerechtigkeit und Liebe läßt sich erkennen, überwinden durch die Meditation der Vollgestalt des Kreuzes: sie ist ein Weg zur Wiederherstellung der Ganzheit und des Friedens. Unter diesem Gesichtspunkt sollten die Radierungen von Ernst Steiner, die so häufig und zentral das Kreuzmotiv aufweisen, verstanden werden. Er hat dieses aus tiefer Nötigung, aus Sehnsucht nach dem Heilwerden und als Mittel hiezu gefunden. Seine Kreuze sind zumeist Lebensbäume, kreuzförmige Verschlingungen von Wurzeln und Ästen, aus denen Knospen und Blüten hervorbrechen. Gewiß ist auch der Lebensbaum ein altes religiöses Menschheitsmotiv. Aber die
Lebensbäume von Ernst Steiner, Inbegriff des Drängens und Wachsens zur Vollgestalt, sind weniger durch die Tradition, als durch inneres Müssen, durch die Vision des heilen Lebens, das alle Zerstörung überdauert, bestimmt. Dem Zerfall, dem Dunkel, dem Verharren im Unbewußten setzt Ernst Steiner mit der Gestaltung seiner zugleich subtilen und kraftvollen Radierungen, die Hoffnung und Fülle des lichten, beständig wachsenden Kreuzes entgegen. 

OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOAlfons Rosenberg

ERNST OSTEINER OOATELIER: OKINZERPLATZ 24/73OA-1210 OWIEN OTELEFON: 0043/1/278 37 78 O E-MAIL: ernststeiner@ernststeiner.at