Aus dem Zyklus:

DIE ZEIT IN BILDERN

Ich gehe von meinem Lebensgefühl und der Zeitsituation aus. Wir alle spüren die bedräng gende Unruhe dieser Tage. Dagegen ist die Ewigkeit nur noch ein Spiel und eine schal gewordene Hoffnung. Aber wir wissen um die kurz bemessenen Jahre unseres Erdenlebens. – Um noch mehr in dieser Zeitspanne unterzubringen, versuchen wir alle Lebensbereiche zu beschleunigen. Wir sind andauernd unterwegs nach Neuem, nach Ungesehenem und Ungehörtem – ein Veitstanz bis zur endgültigen Erschöpfung.

Meine Zeitbilder reflektieren dies und sind zugleich ein Versuch der Ära der Halbwertszeiten, Verfallsdaten, mittelfristigen Planungen, Mode- und Nostalgiewellen etwas Überzeitliches entgegenzustellen und die verschie- denartigsten Aspekte des Zeitphänomens in gültige Bilder zu imaginieren. Es wird der meßbaren und zählenden Zeit eine subjektiv erlebte gegenübergestellt. – Der Maler kann das Flüchtige bannen und verewigen, den Erfahrungen Dauer verleihen und sie in das Bleibende retten, wo das Zerteilte und das Nacheinander in ein Zugleich, in ein ruhendes Nun, ein nunc stans, gebannt wird. Dann verdichten sich die Dinge und es wird etwas von der Fülle der Zeit ahnbar. Es springt die meßbare und rechnende Quantität in eine nicht mehr faßbare Qualität und Intensität über und zeigt den existentiellen und essentiellen Charakter der Zeit.

Wien, Mai 1999OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOErnst Steiner

 

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